Was passiert, wenn Organisationen wieder menschlich werden?

Ein Gespräch mit Jorma Schneider

In der neuesten Episode von Value Talks Spezial entdeckst du mit Lernbegleiter Jorma Schneider, wie Organisationen durch echte menschliche Begegnungen transformiert werden. Von emotionalen Schulden bis hin zu kraftvollen Lernkreisen – erfahre, warum Zuhören das neue Führen ist und wie du sofort anfangen kannst, menschliche Organisationen zu gestalten.


Wenn Emotionen wieder Einzug halten

Stell dir vor, du kommst am Montag ins Büro und dein Team-Meeting startet nicht mit der üblichen To-Do-Liste, sondern mit einem ehrlichen Check-In: «Wie geht’s dir wirklich heute?» Genau das passiert, wenn menschliche Organisationen entstehen – Räume, in denen Menschen wieder ganz sein dürfen.

Jorma Schneider, erfahrener Agile Coach und Lernbegleiter aus Hamburg, teilt in dieser Value Talks Episode seine Reise vom Experten zum Facilitator echter Begegnungen. Seine Botschaft ist klar: «Du bist mehr, als du manchmal glaubst.»

Von emotionalen Schulden zu echten Lernräumen

Kennst du das Gefühl von «emotionalen Schulden»? Ähnlich wie technische Schulden in der Softwareentwicklung entstehen sie, wenn wir Gefühle und zwischenmenschliche Themen immer wieder aufschieben. Jorma erklärt, warum diese unaufgeräumten Emotionen Gift für jede Transformation sind:

«Wenn wir nur die positiven Emotionen für die Motivation zulassen, aber Frust und Trauer in die Freizeit abschieben – dann spalten wir Menschen auf.»

Die Lösung? Menschliche Organisationen schaffen bewusst Räume für alle Facetten des Menschseins.

3 sofort umsetzbare Tipps für deinen Arbeitsalltag

1. Das Emotionen-Rad im Check-In

Statt der üblichen «Wie geht’s?»-Runde verwendest du ein Emotionen-Rad mit der ganzen Vielfalt menschlicher Gefühle. Lass etwas Zeit, entschleunige bewusst und erlaube ehrliche Antworten.

2. Die Lernbegleiter-Rolle einführen

Bestimmt in jedem Team eine Person als Lernbegleiter:in. Diese Rolle kümmert sich bewusst darum, dass das Team innehält, reflektiert und gemeinsam lernt. Wählt intrinsisch motivierte Menschen – die, die bereits anderen helfen.

3. Lernkreise zu aktuellen Themen

Öffnet regelmässig Lernkreise zu brennenden Themen (KI, neue Tools, Herausforderungen). Das Ziel: Gemeinsam schlauer rausgehen, als ihr reingegangen seid. Kein Experten-Vortrag, sondern echtes «Voneinander lernen».

Lernkultur statt Fehlerkultur

Jorma macht eine wichtige Unterscheidung: Menschliche Organisationen sprechen nicht von Fehlerkultur, sondern von Lernkultur. Der Grund? Ein Fehler ist bewusst eine rote Ampel zu überfahren. Ein Irrtum ist, einen neuen Weg auszuprobieren, der nicht funktioniert – daraus wächst Lernen.

Diese Haltungsänderung verändert alles: Plötzlich werden Experimente wertvoll, Feedback wird zur Routine und Menschen trauen sich, Neues zu wagen.

Verbindung zu anderen Value Talks Episoden

Diese Episode ergänzt perfekt die Erkenntnisse aus Simon Flossmanns Gespräch über wirkungsvolle Lernräume. Während Simon die neurowissenschaftlichen Grundlagen erklärt, zeigt Jorma die emotionale und kulturelle Dimension des Lernens.

Auch die Episode über Macht in Organisationen mit Ines Schaffranek resoniert stark – denn menschliche Organisationen entstehen nur, wenn Machtdynamiken bewusst und transparent gestaltet werden.

Der Weg zur menschlichen Organisation

Der Schlüssel liegt in der Bewusstwerdung: Menschliche Organisationen entstehen nicht durch Zufall, sondern durch bewusste Entscheidungen. Welche Räume schaffst du? Welche Emotionen lässt du zu? Wie institutionalisierst du das Lernen?

Jede kleine Veränderung – sei es ein ehrlicher Check-In oder ein spontaner Lernkreis – trägt dazu bei, dass Organisationen wieder zu Orten werden, wo Menschen wachsen können.