Ein Gespräch mit Ines Schaffranek
In der neuesten Folge von Value Talks spricht Host Christian Hofstetter mit Ines Schaffranek über das oft übersehene Thema «Macht in Organisationen». Die Hamburger Kulturwissenschaftlerin und Teamcoach teilt ihre Erkenntnisse darüber, wie Teams ihre eigene Machtdynamik erkennen und gestalten können.
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Macht ist ein Thema, das in Organisationen oft unterschwellig wirkt, aber selten offen angesprochen wird. In dieser aufschlussreichen Episode von Value Talks tauchen Christian Hofstetter und Ines Schaffranek tief in die Dynamik der Macht ein und zeigen auf, wie Teams von einem bewussten Umgang mit Machtstrukturen profitieren können. (Höre auch: Tools für gute Entscheidungen im Team, Organisational Smells)
Was sind die verschiedenen Arten von Macht?
Ines erklärt im Gespräch, dass Macht aus mindestens sechs verschiedenen Perspektiven betrachtet werden kann:
- Legitimierte Macht: Kommt durch die formale Rolle (z.B. Geschäftsführung)
- Expertenmacht: Entsteht durch Fachwissen und Kompetenz
- Informationsmacht: Die Kontrolle über Informationsflüsse
- Beziehungsmacht: Basiert auf persönlichen Verbindungen
- Expertenmacht: Kommt durch spezialisiertes Wissen
- Gestaltungsmacht: Die Fähigkeit, Systeme und Prozesse zu formen
Besonders interessant ist Ines Beobachtung, dass Teams oft von Ohnmacht sprechen, obwohl sie durchaus über verschiedene Machtressourcen verfügen.
Macht visualisieren und verstehen
Ein zentraler Ansatz, den Ines empfiehlt, ist die Visualisierung von Machtsystemen. Mit einfachen Mitteln wie Post-its oder digitalen Whiteboards können Teams ihre eigenen Machtstrukturen erkunden:
- Erstelle eine Übersicht aller Beteiligten im System
- Zeichne die Beziehungen zwischen ihnen ein
- Markiere, wer welche Art von Macht besitzt
- Identifiziere «Power Hubs» und Peripherie
- Reflektiere gemeinsam über das entstandene Bild
Diese Methode hilft dabei, das System sich selbst sichtbar zu machen («revealing the system to itself») und schafft die Grundlage für konstruktive Veränderungen.
Vom Machtmissbrauch zur Verantwortung
Ein wichtiger Aspekt des Gesprächs ist die Verbindung zwischen Macht und Verantwortung. Ines verweist auf das Wertequadrat von Schulz von Thun, das verdeutlicht, dass Macht einen Ausgleich braucht, um nicht in Machtmissbrauch zu kippen. Dieser Ausgleich ist die Verantwortung.
Interessanterweise betont Ines, dass Machtmissbrauch selten aus böswilliger Absicht entsteht, sondern oft aus Hilflosigkeit und Überforderung. Diese Erkenntnis eröffnet neue Wege, um toxische Dynamiken in Teams zu verstehen und zu transformieren.
Praxistipps für Team-Coaches und Führungskräfte
Wie kannst du das Thema Macht in deinem Team oder deiner Organisation konstruktiv ansprechen? Hier sind konkrete Schritte:
- Selbstreflexion: Notiere deine eigenen Glaubenssätze zum Thema Macht, bevor du tiefer einsteigst
- Wissen aneignen: Informiere dich über die verschiedenen Arten von Macht (siehe Buchtipps)
- Systemmapping: Visualisiere auf einem Blatt Papier oder digital das Netzwerk von Menschen und Rollen
- Machtlinsen anwenden: Markiere, wer welche Art von Macht besitzt
- Dialog fördern: Lade andere ein, das Bild zu ergänzen und zu diskutieren
- Gestaltungsraum öffnen: Frage, wie das Team seine Machtbeziehungen aktiv gestalten möchte
Wichtig dabei: Starte nicht direkt mit dem Begriff «Macht», sondern beginne mit einer neutralen Systembertrachtung. Die Machtperspektive kann später hinzugefügt werden.
Buchtipps zum Thema Macht
Im Podcast werden mehrere lesenswerte Bücher erwähnt:
- «Arbeit Macht Missbrauch« von Lena Marbacher – Ein aktuelles Werk, das die Dynamik von Macht in Arbeitsbeziehungen beleuchtet
- «Psychologie der Macht« von Carsten C. Schermuly – Bietet Einblicke in die neurobiologischen und psychologischen Aspekte von Machtausübung
- Werke von Friedemann Schulz von Thun – Insbesondere zum Thema Wertequadrat und demokratische Kommunikation
Fazit
Die Episode zeigt eindrücklich, dass der bewusste Umgang mit Macht ein Game-Changer für Teams sein kann. Statt Macht zu tabuisieren oder nur negativ zu bewerten, können wir sie als gestaltbare Kraft verstehen, die mit Verantwortung ausbalanciert werden muss. Dies eröffnet neue Perspektiven für die Zusammenarbeit auf Augenhöhe – ganz im Sinne von Value Talks.
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